TuAma Al-Saadis Bedrohte Welt

image-9606515-Blog_Jurist_überprüft_Jost_Bürgi-1.w640.jpg
Die grossartige Autobiographie eines tapferen Zeitgenossen.

Unterlegenen. Dass dieser partiell und momentan vielleicht sogar stärker von ihnen abhängt als der durch Reichtum, Können, Beziehungen, Intelligenz, Gesundheit und Glück Privilegierte, der sie aber langfristig genauso benötigt.

TuAma Al-Saadi zum Thema Freiheit

Freiheit ist das wertvollste Geschenk. Aber sie muss an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Und dieser Ort befindet sich in den Köpfen und Herzen der Menschen, die sie errungen haben. Wer die Freiheit nicht kennt, die immer auch mit mehr Verantwortung und Entfaltungsmöglichkeiten ver-bunden ist, muss sie erst kennenlernen. Und dann schätzen.

Deshalb kann man sie mit einem Heilmittel vergleichen: Freiheit ist wie eine Medizin. Wer sie in kleinen, verträglichen Dosen einnimmt, kann sich von einer Krankheit erholen. Wer aber alles auf einmal nimmt, kommt um.

Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind also als höchste Güter sorgfältig zu behandeln und zu verteidigen und schützen, und von Beginn an auch sorgsam zu dosieren. Das gilt vor allem bei Nationen, die Jahrhunderte keine Freiheit kannten, sondern unter Tyrannei, Unterdrückung und brutaler Herrschaft litten. So wie wir im Irak.


Diese Erfahrungen hat er als 15-Jähriger gemacht, als sich Militärs mit einem Mord an der Königsfamilie an die Macht putschten, die von den Briten eingesetzt worden war und die es in drei Jahrzehnten geschafft hatte, die Analphabetenrate aus den von den Osmanen des Lesens und Schreibens unterdrückten 95% der Bevölkerung in der jungen Generation fast ins Gegenteil zu verkehren.

Doch die über Dreissigjährigen taten sich schwer und wurden von fast allen Parteien belogen. als es um die ersten Wahlen ging. Unter der Monarchie waren die Infrastrukturarbeiten in Angriff genommen worden, so dass er selbst in den Beispielen einer parlamentarischen Monarchie wie Grossbritannien und der skandinavischen Länder nichts Schlechtes sehen mag. Das könnte man ihm vorwerfen: dass er die Monarchie zwischen Anarchie und Demokratie als Brücke sieht, ist jedoch in der Geschichte wohlbegründet.

Als Ingenieur der Vermessung ist er gewohnt, die Fakten sprechen zu lassen und Realitäten zu erkennen. Keines der Regimes, die dem Putsch an der Königsfamilie und der Ermordung auch der von ihnen eingesetzten Regierungsverantwortlichen 1958 folgten, war besser, sondern wurde immer machtgieriger, ideologischer, panarabischer, und krimineller bis hin zum Massenmörder Saddam Hussein, dem sich TuAma Al-Saadi entgegenstellte als er seinem Geheimdienst ins Ausland entkommen war. Als er es dann noch wagte, gegen ihn vom Ausland mit innerirakischen Kräften zu putschen – und nur die Amerikaner zur passiven Niederhaltung der irakischen Luftwaffe benötigt hätte, was diese aber ablehnten – war dieser mittlerweile zum erfolgreichen Geschäftsmann aufgestiegene TuAma Al-Saadi der Mann, den es neben ungetreu gewordenen Botschaftern im Ausland durch seinen Auslandsgeheimdienst umzubringen galt. Doch dieser tauchte erst einmal unter, um sich dann in London als Generalsekretär verschiedener Exilantengruppen, darunter der national-monarchistischen, nützlich zu machen und im Falle einer Besetzung des Landes und Beendigung des Mörderregimes von Saddam Hussein im Schatten-kabinett repräsentativer parlamentarische Monarchie als Übergangslösung präsent zu sein. Als die Koalition der Willigen diese Niederschlagung mit äusserst brutalen und menschenverachtenden Methoden vollzogen hatte, holte man ihn zusammen mit anderen Exilirakern nach Bagdad und betraute ihn mit Reorganisationsaufgaben in den drei Ministerien des Inneren, des Äusseren und der Verteidigung. Ihm war aber vor allem wichtig, die Verbrecher der letzten Jahrzehnte vor einem Gericht zur Verantwortung zu ziehen. Doch der Oberbefehls-haber Paul Bremer sah all das anders: er liess alle bestehenden Strukturen kollabieren und bestrafte mit der Entlassung aller Angestellten nicht Einzelne gezielt, sondern ohne jegliche faire Beurteilung alle gleichzeitig alle kollektiv mit dem Verlust des Arbeitsplatzes Saddamisten, Mitläufer und Gegner gleichermassen. Nun verfügte er ausser den der Landessprache nicht Mächtigen und mit der Kultur nicht vertrauten und um ihr Leben fürchtenden eigenen Besatzungssoldaten über keinerlei staatliche Ordnungsmacht mehr - ein Vakuum, das die Saddam-Linien schnell besetzten und mit zusätzlichen Sprengstoffattentaten bald wieder den Terroralltag beherrschten. Bremer liess TuAma praktisch allein in der Verbrecherfestnahme und toleriert Raub, Nötigung und Diebstahl unter den Augen der nicht eingreifenden Besatzer. Der Vorschlag Al-Saadis einer parlamentarischen Monarchie für die ersten vier Jahre wurde zurückgewiesen, jedoch alle religiösen Splitterpar-teien eingeladen. Längst hatten sich die Techniker des Tötens von Saddam Hussein mit den wahhabitischen Islamisten im Islamischen Staat zusammengeschlossen und mit dem Terror gegen die Bevölkerung begonnen: es sei damals unter Saddam Hussein viel besser gewesen, kam als Konsequenz der Bevölkerung in den Sinn und tönt es heute noch unter denjenigen, die nun den Befreiern die Misere andichteten.

Der auf Terroristensuche tätige Al-Saadi wurde plötzlich vom Mob auf der Strasse beschimpft und bedroht. Als dann Al-Saadi in den Ministerien auch noch massive Korruption entdeckt und für seinen Antrag der Verurteilung solchen Verhaltens gerügt wird, ist das «Friendly Fire» gleichgross wie das der Gegner und sein Leben in höchster Gefahr. Er erhält als einziger Iraki von Präsident George Bush eine Tapferkeitsmedaille – aber ohne realen Wert. Aber niemand hat eine grössere Erfahrung im Umgang mit diesen Mörderbanden, als er selbst. Nun wendet sich der für seine Tapferkeit gegen Feind und Freund bekannte Iraki an die Europäer: Wehret den Terrorismus-Anfängen!

Ganz anders als seine Mannesjahre verlief seine Kindheit. Längst sind die Zeiten vorbei, als Al-Saadi inmitten grosser paradiesischer Gärten auf Bagdads Tigris Halbinsel Karradeh das Licht der Welt erblickte und dann das Studium zum Vermessungs-ingenieur einschlug. Auf der Basis dieses Wissens will er das an Rohstoffen reiche Land und deren Bevölkerung mit der Erstellung grosser Infrastruk-turprojekte in eine vielversprechende Zukunft begleiten. Aber der Tyrann Saddam Hussein, ein kulturell ignoranter US-Befehlshaber Bremer, die IS-Terrormilizen und korrupte Politiker der Nachfolgeregierungen vereiteln ihm dies. Er muss erneut ins Exil.


Mehr dazu:  https://www.alprhein.ch/reaktionen-auf-b%C3%BCrgi-biografie-jost-b%C3%BCrgi-kepler-und-der-kaiser.shtml