"Niemands Tochter" und François Mitterrand in Rothenburg ob der Tauber - Copy - Copy



Vor eineinhalb Jahrzehnten erschien im Hamburger Verlag Hoffmann & Campe ein Buch mit dem rätselhaften Titel "Niemands Tochter - auf den Spuren eines vergessenen Lebens". Mit seither über einer Viertelmillion verkauften Exemplaren ist es eines der bekanntesten literarischen und gleichzeitig dokumentarischen Werke der Zeitgeschichte. Der Autor Gunter Haug beschreibt in diesem mittlerweile vom Landhege-Autorenverlag betreuten Bestseller den Lebensweg seiner Grossmutter, einer  auf einem fränkischen Bauernhof aufgewachsenen und später in Rothenburg ob der Tauber neun Kinder erziehenden einfachen Frau.

Die Selbstlosigkeit und Mitmenschlichkeit von "Niemands Tochter" bewirken, dass sich grosse Persönlichkeiten der Zeitgeschichte wie der französische Staatspräsident François Mitterrand zusammen mit dem Präsidenten der Sozialistischen Internationale und ehemaligen deutschen Bundeskanzler Willy Brandt bereits 1981 nach Rothenburg begeben; dass die ehemaligen Aussenminister Roland Dumas und Hans-Dietrich Genscher wegen "Niemands Tochter" im Jahr 2002 korrespondieren; auch, dass die deutsche Bundesfamilienministerin Renate Schmidt im März 2003 in einem Festakt im Rothenburger Rathaus und vor ihrem kleinen Häuschen im "Alten Keller 17" die couragierte Bürgerin posthum ehrt. 

Der ehemalige bekannte und beliebte Fernsehmoderator Gunter Haug hat in diesem Buch über "Niemands Tochter" aufgeschrieben, was ihm seine 1932 geborene Mutter Gretel über das Leben ihrer Mutter Maria Staudacher (1903-1965) und ihre Zeit erzählt hat und was der gelernte Historiker selbst durch eigene Recherchen ermitteln  konnte. Wie man im Buch anhand von präzisen Schilderungen erfährt, entging dem damaligen Teenager Gretchen (so ihr richtiger Taufname) in dem kleinen, engen Häuschen praktisch nichts: sie schildert dramatische Ereignisse und beschreibt fröhliche Stunden. Man spürt förmlich die ungeheueren Spannungen der Eltern mit dem in der HJ zum für  den Landkreis Verantwortlichen aufgestiegenen 15-jährigen Sohn Wilhelm (1928-1995), und man wundert sich über die lebensgefährliche  Courage der Mutter,  meist nachts Schutz suchenden Personen Unterschlupf zu bieten, darunter immer wieder französische Stimmen. 

Maria Staudacher, die unter dem Namen "Niemands Tochter" bekannt gewordene couragierte  Rothenburger Bürgerin starb schon vor einem halben Jahrhundert. Sie war 1965 gerade einmal 62 Jahre alt geworden und hinterliess ausser ihrem Ehemann acht zwischen 1928 und 1943 im kleinen Häuschen Alter Keller 17 zur Welt gebrachte Kinder sowie 20 Enkelinnen und Enkel. Ihre Grosszügigkeit und tolerante Persönlichkeit ist jedoch nicht nur in Gunter Haugs grossartigem Werk "Niemands Tochter" und in Form einer beim Besuch der Familienministerin Renate Schmidt am Häuschen  Alter Keller 17 angebrachten Gedenktafel  dokumentiert. Sie wird auch alljährlich in einem von ihrem Sohn Werner seit Jahrzehnten Ende April gefeierten Familienfest spürbar, dessen Durchführung bereits heute für weitere Jahrzehnte und damit für mindestens eine weitere Generation finanziell gesichert ist und mittlerweile eine Festgemeinde von über siebzig Verwandten umfasst. 



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DAS KLEINE HÄUSCHEN DER FAMILIE STAUDACHER, IN DEM AUCH FRANCOIS MITTERRAND 1941 UNTERSCHLUPF BEI NIEMANDS TOCHTER ZUSAMMEN MIT ABBÉ LECLERC GEFUNDEN HATTE.
Links: 1957, Mitte: 2003, Rechts: 2006.





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Juli 2002: Gunter Haug mit Sonja Profittlich vom Willy-Brandt-Archiv bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn. Gunter Haug findet in Mirow/Brandts Reiseunterlagen von 1981 Hotelprospekt mit Stadtplan und Vermerk "vieux" und "cave" (alter Keller)
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6. März 2003: HOMMAGE AN NIEMANDS TOCHTER IM JAHRE 2003 AM ALTEN KELLER UND IM RATHAUS ROTHENBURGS DURCH BUNDESFAMILIENMINISTERIN RENATE SCHMIDT.

 Photo en haut: La Ministère de Famille Allemande, Renate Schmidt, a dévoilé le 6 mars 2003 à Rothenbourg-sur-le-Tauber (Bavière) une plaquette pour Maria Staudacher devant la maison où elle avait caché entre 1941-1945, pour le risque de sa vie, des fugitifs, dont un avait été le jeune François Mitterrand.   

                             
Une cachette de François Mitterrand 

Mars 6, 2003 : Le jeune François Mitterrand avait trouvé refuge dans une petite maison de Rothenburg-sur-le-Tauber en Bavière du Nord, en 1941, durant sa longue fuite de 600 km. C’est l’Allemande Gretel Haug qui reconnut le Président français sur une photographie privée, qui vient d’être publiée pour la première fois, montrant un François Mitterrand âgé de 23 ans. Durant la deuxième Guerre Mondiale, Maria Staudacher, la mère de Gretel Haug, avait recueilli et caché mainte fois des fugitifs, au péril de sa vie. Gretel Haug, âgée aujourd’hui de 71 ans, a encore un souvenir très vivant de cet homme. Tout porte à croire qu’il était arrivé au n°17 de « Alter Keller » (la vieille cave), son refuge, en compagnie d’au moins une autre personne. En direction de la Suisse, François Mitterrand s’était évadé en mars 1941 du camp de prisonnier Schaala, situé en Thuringe, en compagnie du vicaire Xavier Leclerc. C’est la Ministère de Famille Allemande, Renate Schmidt, qui a dévoilé le 6 mars 2003 à Rothenburg une plaquette pour la « Fille à Personne », surnom de la Maria Staudacher. 

Cette cachette de Rothenburg, secrète jusqu’alors, a été rendue publique par un hasard : la publication du livre « Niemands Tochter – Auf den Spuren eines vergessenen Lebens » (La fille de personne – sur les traces d’une vie perdue). Dans cette biographie d’une fille de fermier franconien, Gunter Haug, le petit-fils de Maria Staudacher, écrit, entre autres, que François Mitterrand était revenu avec Willy Brandt à Rothenburg en mars 1981, lors « d’un voyage dans son passé ». Il s’était alors intéressé, incognito, à une maison de la petite ville moyenâgeuse dans laquelle il avait trouvé refuge exactement quarante ans plus tôt. Depuis la parution du livre il y a six mois, de nombreux indices permettent de penser qu’il s’agit de la maison située au n°17 de l’Alter Keller de Rothenburg. Gretel Haug, témoin vivant dont le témoignage est d’une grande importance, reconnut, sur une photographie privée à la page 108 du nouveau livre d’Edith Cahier « Ma famille Mitterrand », le jeune homme qu’elle avait vu en 1941 dans la maison parentale. Gunter Haug, auteur du livre, déclare : « Outre le jeune François Mitterrand, ma grand-mère a recueilli, pendant la deuxième Guerre Mondiale, de nombreux fugitifs, au péril de sa vie.» Pas tous ces fugitifs survécurent au régime nazi et certains furent pris, plus tard, pendant leur fuite. Entre autre un déserteur que Maria Staudacher avait caché peu avant la fin de la guerre. Il fut fait prisonnier aux murs de la ville de Rothenburg et fusillé par décision de la cour martiale sans avoir dévoilé sa cachette.
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- Gunter Haug : « Niemands Tochter – Auf den Spuren eines vergessenen Lebens » (La fille de personne – sur les traces d’une vie perdue).  416 pages. Editions Hoffmann & Campe, Hambourg 2002. Paper back: Landhege Verlag, Schwaigern.
- Edith Cahier : « Ma famille Mitterrand ». 230 Pages. Editions Robert Laffont, Paris 2002.
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Contact: Fritz Staudacher, Fahrgasse 12, CH-9443 Widnau (Suisse) –
Couriel: staud1@bluewin.ch  – Téléphone 0041 71 722 5733

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Die beiden linken Farbaufnahmen stammen aus dem Jahre 2003, als Gretel Haug-Staudacher 71 Jahre alt war. François Mitterrand wurde 1939 als 23-Jähriger, Gretel Haug-Staudacher 1944 als 12-Jährige und Maria Staudacher hier 1952 als 49-Jährige fotografiert.
Von den Aufnahmen, die uns vorliegen, sind die hier publizierten diejenigen, die ihrem damaligen Aussehen im Jahre ihres Zusammentreffens 1941 am besten entsprechen. François sah 1941 im Alten Keller also zwei Jahre älter aus als hier bei der Mobilmachung 1939, Gretel zwei Jahre jünger und Maria ganze zehn Jahre jünger als hier abgebildet.


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Im April 2005 berichtete sogar die Bild-Zeitung in ihrer Nürnberger Ausgabe über "Niemands Tochter".

Bild unten: Zum 100-Jahr-Geburtstagsjubiläum François Mitterrands im Oktober 2016 bin ich nach Paris eingeladen, lerne dabei Mitterrands jüngsten Sohn Gilbert (Jg. 1949) kennen und stosse mit ihm an: einmal, weil wir beide die jüngsten Kinder unserer Familien sind, er von François Mitterrand, ich von "Niemands Tochter". Und noch einmal deswegen, weil es schön ist, dass wir uns hier überhaupt treffen können - ich weiss nicht, was aus uns geworden wäre, hätte die Gestapo seinen Vater 1941 in unserem Alten Keller 17 entdeckt! Da ihm Gunter Haugs Buch "Niemands Tochter" bis jetzt unbekannt ist, übersetzt Alain Mauroy einige Passagen ins Französische.
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Ankunft im Pariser Flughafen CDG zum Kolloqium im Aussenministerium am Quai d'Orsay (4.-6. Okt. 2016). Auch drei Wochen später habe ich den ehemaligen Protokollchef Mitterrands Alain Mauroy als äusserst kenntnisreichen und sympathischen Begleiter.

Unten:
1981: Postkarte aus Rothenburg ob der Tauber

Erst mit der Ende 2016 erfolgten Veröffentlichung dieser privaten Liebesbriefe des 1996 verstorbenen französischen Staatspräsidenten wird nun auch in Frankreich bekannt, dass François Mitterrand zweimal in Rothenburg ob der Tauber war. Als Dokument  1148 ist in Mitterrands "Lettres à Anne"  eine Postkarte aufgeführt, die mit dem Poststempel von Rothenburg ob der Tauber und dem Datum 6.3.1981 versehen ist. Die Anschrift lautet Anne Pingeot, 40 rue U, Paris.  Als Text auf der Rückseite lesen wir nur: "Une porte qui s'est ouverte sur la liberté." Also: "Eine Türe, die sich zur Freiheit öffnete."  Nirgends in seinen Büchern, Reden und Texten hatte er jemals diese Stadt erwähnt - genauso, als habe er dort vor der französischen Öffentlichkeit etwas zu verbergen gehabt. Aber was?

Une porte qui s'est ouverte sur la liberté. F.        EineTüre, die sich hin zur Freiheit öffnete.
Postkarte Vorderseite: Rothenburg ob der Tauber. Eingangsportal in das Alte Rathaus. Gesandt am 6.3.1981 aus Rothenburg nach Paris an ​Anne Pingeot von F. Mitterrand. Foto: Ohmayer. 

                            
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Mitterrands Postkarte an Anne zeigt das Eingangsportal zu Rothenburgs Altem Rathaus. Öffnet man diese Renaissance-Türe und folgt man der breiten Treppe nach oben, so gelangt man in den grossen Kaisersaal der alten Stauferstadt. Wählt man den Weg die Treppe abwärts, so öffnen und schliessen sich im Kellergewölbe vom Wärter bewachte Türen in das Gefängnis mit dunklem Kerker und Verliess sowie mit dem Raum für die Folterwerkzeuge zur hochnothpeinlichen Befragung. Hätte eine couragierte Rothenburger Bürgerin Mitterrand 1941 nicht Unterschlupf gewährt, sondern hätte ihn die Gestapo entdeckt, so hätte sie ihn abwärts geführt. Im Jahre 1981 geht es für ihn  eindeutig treppauf, denn diesmal ist er selbst Staatsgast in Begleitung des ehemaligen Bundeskanzlers und Friedensnobelpreisträgers Willy Brandt, der sich mit ihm im Rathaus ins Goldene  Buch der Stadt einschreibt.          



Postkarte François Mitterrands aus Rothenburg ob der Tauber an seine Geliebte Anne Pingeot:

EIN TOR ZU MITTERRANDS FREIHEIT


Die grosse Buchsensation des französischen Winters 2016/17 ist ein dickes Buch über die Liebe. Über drei Jahrzehnte hat der renommierte Autor an diesem Werk gearbeitet. Dass es zwanzig Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wird, würde den mächtigen, seine  Geheimnisse hütenden Staatsmann beschämen - so etwas gibt man nicht preis, zu intim ist sein Inhalt. Denn bestimmt waren diese Texte ausschliesslich für eine Person: seine geliebte Anne. Nur ihr fühlte er sich so in Liebe ausgeliefert, dass er ihr schutzlos folgte. Doch nun kann diese Texte jedermann in einem Buch "Lettres à Anne" lesen, und das ist gut so. Es sind nämlich auch Zeitdokumente und teilweise literarische Preziosen.  Anne ist nicht seine Ehefrau, und diese  wusste jahrzehntelang anscheinend nichts über diese nunmehr Schwarz auf Weiss dokumentierte Parallel-Beziehung und sein glücklich arrangiertes amouröses Doppelleben.

Auch verschiedene andere bis jetzt unbekannte Ereignisse, werden dank dieser Publikation nun erstmals erhellt. Dazu zählt eine Postkarte, die unter Dokument 1148 aufgeführt ist und die François Mitterrand am 6. März 1981 von Rothenburg ob der Tauber nach Paris sandte.

Liebhaber Mitterrand. Die Texte dieses Buches stammen aus der Feder von François Mitterrand, Frankreichs 14-fachen Minister und langjährigen Staatspräsidenten. Empfangen, redigiert und posthum zur Veröffentlichung freigegeben hat diese Liebesbriefe seine 27 Jahre jüngere Geliebte Anne Pingeot. Er, selbst schon einflussreicher Minister und 46 Jahre alt, lernt sie 1962 bei einem Golfpartner kennen. Sie ist dessen Tochter, gerade neunzehn Jahre alt, wird seine Geliebte und bleibt dies lebenslang. Immer an sie denkend, schreibt ihr der Vielbeschäftigte in allen Lebenslagen Briefe und Notizen sowie von den verschiedensten Orten Postkarten, wegen Geheimhaltung des Absenders nur mit einem "F." unterzeichnet. Seine Briefe weisen ihn als zärtlichen und beschwörenden Liebhaber aus, der nicht nachlässt, seine Anne anzubeten - und dies in einer Stimmigkeit, die nicht klischeehaft oder kitschig ist, sondern authentisch und von literarischer Qualität. Diese Anne Pingeot - später angesehene Kunsthistorikerin sowie Louvre-Kuratorin -  schenkt ihm Marazine, eine uneheliche, aber keine vaterlose Tochter. Als geheim gehaltener Vater verbringt er auf wundersame Weise während eines Vierteljahrhunderts mit ihnen – davon eineinhalb Jahrzehnte in einer Dienstwohnung in der Nähe des Elyssee-Palastes - fast ebenso viel Zeit, wie mit der Familie seiner bereits 1945 angetrauten Danielle und seinen beiden Söhnen Christoph und Gilbert an seinem Abgeordneten-Wahlort Chateau Chinon oder im der Atlantikküste nahen Bauernhaus in Latche. Und all dies, ohne dass man in der Provinz über diese doppelte Beziehung und eine Halbschwester im Bilde ist - geschweige denn die Öffentlichkeit. Ein starkes Stück.

Lange schwedische Nächte. Doch selbst das ist nur ein Teil der Wahrheit. Kaum ist Anne Pingeot, "die grosse Liebe seines Lebens", vom Staatsbegräbnis ihres François nach Hause zurückgekehrt, da muss sie lesen, dass sie ihn seit 1979 nicht nur mit seiner Ehefrau Danielle und Famlile in der Provinz teilen musste, sondern dass er zusätzlich bis kurz vor seinem Tod während 15 Jahren auch noch die drei Jahrzehnte jüngere Chris Forne geliebt hatte. Diese schwedische Journalistin hatte er 1979 gemäss einem Interview Fornes im "Aftonbladed" in Schweden anlässlich des Treffens der Sozialistischen Internationale kennen gelernt,  bevor sie sich anschliessend in Paris akkreditierte. Sie verfolgte das Staatsbegräbnis zu Hause am Fernsehschirm und zeigte sich traurig darüber, dass sie bei François Beerdigung nicht auch zusammen mit Madame Danielle und Mademoiselle Anne am Grab stehen und von ihm Abschied nehmen konnte.

Mitterrands Liebeszauber.  Der 48-jährige François Mitterrand ist ein Meister der Sprache und der Poesie. So schreibt er, um nur zwei typische Beispiele aufzuzeigen, 1964 seiner damals 21-jährigen Anne:
„Ich segne, meine Geliebte, Dein Antlitz, aus dem ich zu lesen versuche, was mein Leben sein wird. Ich bin Dir begegnet und habe augenblicklich erkannt, dass ich nun auf eine grosse Reise gehe. Dorthin wo ich gehe, weiss ich zumindest, dass Du immer dort sein wirst. Ich segne Dein Antlitz, mein Licht. Es wird für mich von nun an keine vollkommen dunkle Nacht mehr geben. Die Einsamkeit des Todes wird weniger Einsamkeit sein. Anne, mon Amour!“.
Und in seinem letzten Brief schreibt der 79-jährige vom Tode gezeichnete François 1995 seiner mittlerweile 62-jährigen Anne:
„Du hast mich immer stärker unterstützt. Du warst die Chance meines Lebens. Wie Dich nicht noch mehr lieben?“   Dazwischen liegen über tausend andere Liebesbezeugungen - aber auch sybillinische Bemerkungen auf Postkarten wie der aus Rothenburg ob der Tauber.  

Macht aus breitem Spektrum. All diese Privatissima werden durch hohe Disziplin, Täuschung, Macht und ausgesuchte Getreue Jahrzehnte lang so geheim gehalten wie auch andere politisch und wahltaktisch relevante Informationen, die der 1981 zum Französischen Staatspräsidenten gewählte Jurist und Literaturwissenschafter bei grösster Flexibilität mit unglaublicher Virtuosität bis ins Paradoxon variiert: seien es zwei seiner drei während Jahrzehnten geliebten Frauen, seine zwischen rechts und links changierenden politischen Positionen, seine immensen Kenntnisse der französischen Literatur, der deutschen Klassik und der europäischen Kultur, seien es seine sprachliche Eloquenz, physische Präsenz und politische Intelligenz, seine umstrittene frühe Vichy-Verwicklung und seine späte Resistance-Unterstützung, seine Kriegsverletzung und Gefangennahme trotz seiner Zugehörigkeit zur Grande Nation, seine vielfach positiven persönlichen Erlebnisse mit wohlwollenden Deutschen und seine Bekämpfung teutonischer Nazi-Barbarei,  seine Treue gegenüber Freunden und seine  Rücksichtslosigkeit gegenüber zu Feinden gewordenen Abtrünnigen.

Gute Nachbarschaft mit Deutschland.  Zu den zentralen Fixpunkten François Mitterrands zählt sein Verhältnis zu Deutschland, das er nicht lieben kann, aber das er in einigen Gebieten bewundert und dessen Bewohner er gerne hat - nicht so stark natürlich wie seine "France profonde", seine tief in ihm verwurzelte Heimat und seine glorreiche Kultur. Aber er sieht in den Deutschen auch keine Erzfeinde mehr, wie im und nach dem Krieg die Mehrheit seiner Landsleute. Die Deutschen hätten ein wesentlich positiveres Bild von den Franzosen, als umgekehrt, sagt er wiederholt aufgrund seiner Erfahrung in verschiedenen Kriegsgefangenenlagern. Um nicht gleich als Nazi-Sympathisant und Collaborateur zu gelten, kann er diese Erfahrung und Einstellung nur zurückhaltend äussern. Er ist zuerst ein ablehnender, dann zögerlicher, dann ein kraftvoller und bei der Wiedervereinigung ein zunächst wieder schwankender, dann aber zupackender und massgeblicher Mitgestalter des heutigen Europa, nicht zuletzt auch der Währungsunion mit dem Euro.

Bürgerlich-katholischer, hochkultivierter und zupackender Mensch, der die Macht liebt. Der 1916 inmitten des Ersten Weltkrieges geborene François wächst mit sieben Geschwistern als Sohn eines Essigfabrikanten in bürgerlicher Provinzumgebung nahe der Atlantikküste auf. In einem von katholischen Patres geführten Internat wird der an Mathematik wenig interessierte, aber in allen Gebieten überragende Schüler stark von christlichen Gedanken und von der Lektüre der Werke der grossen griechischen Philosophen und der römisch-lateinischen Klassiker sowie der katholischen Kirchenväter in ihren Originalsprachen geprägt. Aus diesem politisch rechts angesiedelten bürgerlichen und militärisch-national geprägten katholischen Milieu hat er seine an Macchiavelli geeichte Werteskala. Sie wird nach seiner Ansicht in den Dreissiger Jahren auf dem Hintergrund eines zu selbstzufriedenen Frankreichs vor allem von Sozialisten und Kommunisten bedroht, und noch nicht so vom erst vor zwei Jahrzehnten besiegten Deutschen Reich. In seiner Studienzeit in Paris zwischen 1934 und 1938 zum Juristen und Literaturfachmann tritt der eloquente und eine unübersehbare Präsenz ausstrahlende François Mitterrand verschiedentlich als Sympathisant oder Exponent rechtsbürgerlicher Gruppierungen in Erscheinung und verfasst erste Artikel für rechtsnational orientierte Publikationen.
Bereits als 23-Jähriger hat er seine Lizentiatsdiplome eines Juristen und eines Sorbonne-Philologen in der Tasche. Nimmt er an den in Frankreich üblichen und gestrengen nationalen Einstellungswettbewerben teil, so findet man seinen Namen meist auf den vorderen Rängen.

Schwer verwundet und Kriegsgefangener. Nach dem "Anschluss" Österreichs, den Überfall Hitlerdeutschlands auf die Tschechoslowakei sowie dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht in Polen 1939 wird, wie angekündigt („Bis hierher und nicht weiter!“), zusammen mit Englands auch Frankreichs Kriegserklärung an Deutschland ausgelöst. Mitterrand wird bei der Mobilmachung in die Infanterie einberufen. Er ist Unteroffizier und erwartet einen „drole-de-guerre“-Stellungskrieg, als die Deutsche Kriegsmaschinerie 1940 in Frankreich einfällt, und er in der Nähe von Verdun an der Schulter und am Arm verwundet wird, ein Handicap, das ihm lebenslang bleibt. Das Krankenhaus Lunéville, in das er rücklingsliegend auf einem Holzkarren gezogen und von Kampfflugzeugen überflogen wird, ist kurz darauf in deutscher Hand. Mitterand kommt ins Lazarett, dann in zwei hessische Kriegsgefangenen-Stammlager - wobei dasjenige von Ziegenhain 40'000 französische Gefangene zählt und unter Nazi-Oberaufsicht weitgehend selbstständig von französischen Vertrauensleuten - vielfach Theologen, aber auch Juristen - geführt wird. Nach zwei weiteren Verlegungen landet Mitterrand im thüringischen Kriegsgefangenen-Arbeitslager Schaala bei Rudolstadt. In der dortigen Porzellanfabrik ersetzen über 200 Kriegsgefangene die in den Krieg gezogenen Arbeiter und Angestellten.

Er will von allem frei sein !  Wie der Akademiker und der Aristokratie nicht abgeneigte junge Mitterrand in mehreren solcher Lager feststellt, herrscht hier nicht der Buchstabe des Gesetzes
oder die Klassengesellschaft der Bourgeosie, sondern das Recht des Messers, wenn es um Brotrationen, Positionen und Provisionen geht. Hier lernt Mitterrand auch Arbeiter und Bauern kennen und stellt sich erstmals Fragen nach sozialer Gleichheit, die durch die Gefangenenkleidung vorgegeben wird. Einige dieser Mitgefangenen von damals werden lebenslang seine besten Freunde: der kräftige und gross gewachsene Burgunder Bauer Jean "Sapin/Tanne" Munier, der ab 1942 die Fluchthilfe- und Resistance-Organisation „La Chaine“ initieren wird, sowie der Handwerker Pascal Pelat, der  Mitterrands Karriere finanziell unterstützen wird. Ein Mitterrand lässt sich aber nicht lange einsperren. Auf die Flucht in Richtung Schweiz macht sich Mitterrand am 5. März 1941 mit dem aus seinem Heimatdepartment Allier stammenden Jesuitenvikar Xavier Leclerc. Munier hilft ihnen bei der Besorgung besserer Kleidung und von Kartenunterlagen aus der Fahrschule, die Mitterrand auf einen eigenen Plan abzeichnet, der im Rockschoss versteckt werden kann. Neben Zwieback, Tee und Schokolade in kleinsten Tagesmengen nehmen sie in einem Rucksack auch Schuhwichse mit - ein gepflegtes Aussehen sei wichtig, um nicht gleich schräg angeschaut zu werden, ebenso wie eine tägliche Rasur. Gut 620 Kilometer in Richtung Südwesten müsse man zu Fuss gehen, um in die neutrale Schweiz zu gelangen. Laufen kann man nur nachts, um nicht gesehen und überprüft zu werden. Es wird insgesamt 22 Tage und Nächte gehen, trotz Schnee, Kälte und viel Regen, bis sie ihren Endpunkt erreichen. Einmal nur treffen sie – und das ausgerechnet in der Nazi-Hochburg Rothenburg ob der Tauber am sechsten Tag – auf eine einfache Frau, die ihnen ihr kleines Haus öffnet und alles bietet, was die müden, durstigen, hungrigen und durchgefrorenen Männer brauchen, halten die Adresse aber in allen späteren Berichten aber geheim, um sie nicht zu verraten oder zu verbrennen. Die Strecke führt in südwestlicher Richtung mit Kompass und Karte bis Egesheim bei Spaichingen, wo sie den Fehler begehen, an einem Sonntagmorgen durch das Dorf zu laufen und von Nazis festgenommen und anschliessend nach Spaichingen ins Gefängnis geworfen werden sowie daraufhin ein Monat später im bewachten Wagon wieder im Kriegsgefangenen-Stammlager Ziegenhain landen: diesmal ein erster Monat im Gefängnis mit minimaler Versorgung. Das Lager ist gut organisiert und wird von Vertrauensmännern unter Nazi-Aufsicht geleitet: bald entfaltet hier Mitterrand seine Fähigkeiten als Redakteur der Lagerzeitung und als einer von zehn Professoren der Ziegenhainer Gefangenen-Universität.

Planung einer Jubiläumsreise in die Vergangenheit. Anlässlich von mit Willy Brandt und Partnerinnen im Sommer 1980 gemeinsam in Frankreich verbrachter Ferientage, fragt François Mitterrand Willy Brandt, ob er mit ihm kurz vor den französischen Präsidentenwahlen  in Deutschland seinen 600 Kilometer zu Fuss und bei Nacht gelaufenen Fluchtweg aus dem Stalag Schaala bis Spaichingen mit dem Auto nachfahren würde. Im März 1981 sei das genau 40 Jahre her. Das wäre mit ihm zusammen, dem ehemaligen Bundeskanzler, Hitlergegner, Friedensnobelpreisträger, Vorsitzenden der Sozialistischen Internationale und Freund ein emotional wichtiges Erlebnis und ergäbe auch zwei Monate vor seinen Wahlen in Frankreich ein gutes Medienecho. Also plante man vom 5.-7. März 1981 ein solches Treffen: als deutscher Reiseplaner wurde der persönliche Brandt-Assistent und spätere Hamburger Senator Thomas Mirow aktiv, als französischer Gegenpart der mit Mitterrand eng vertraute persönliche Berater Jacques Attali. Eine Pressekonferenz war auf speziellen Wunsch  Mitterrands erst in Rothenburg ob der Tauber angesetzt worden. Man trifft sich bei Rudolstadt am Harmsdorfer Kreuz, wo Mitterrand mit Munier auf DDR-Seite Schaala besucht hatten, und fährt nach einem Zwischenstopp in Nürnberg beim OB-Urgestein Urschlechter in die von Mitterrand gewünschte Tauberstadt. An der Pressekonferenz in Rothenburg sind dann ausser Jean Munier mit Gattin  Ginette auch Stalag-Freund  Pascal Pelat anwesend, jener zu Reichtum gekommene Industrielle, der ihn immer wieder finanziell unterstützt und der gleichentags in dieser Gegend eine seiner Fabriken besuchte. Warum Mitterrand gerade Rothenburg als Etappenort und für die Medienkonferenz ausgewählt hatte, hat damit zu tun, dass er hier nach Lazarett und Gefangenschaft sowie fünf Tagen Nachtmarsch bei Schnee, Regen, Kälte und in der Morgendämmerung Unterschlupf bei einer tapferen Bürgerin gefunden habe, liess er im Vertrauen Willy Brandt und seiner späteren Ehefrau Brigitte Seebacher wissen. Hier habe er erstmals seit langer Zeit wieder einmal das Gefühl einer kleinen Freiheit erlebt. Das sei ein leuchtendes Beispiel von Freundschaft zwischen Deutschen und Franzosen.

Keine Erwähnung der Rothenburgerin mehr, aber Beweise über Beweise. Doch als man in Rothenburg abends angekommen war, sah man wohl deutsche, aber kaum französische Journalisten. Wieder einmal kam es ganz anders, als Mitterrand vertraulich angekündigt hatte. Anstatt bei der Pressekonferenz in Rothenburg ob der Tauber seine 1941 bis jetzt nirgends erwähnte Unterbringung bei einer mutigen Frau in Rothenburg im Sinne wahrer deutsch-französischer Freundschaft bekannt zu geben, schweigt Mitterrand nun plötzlich darüber und erzählte von Rudolstadt, seinem Fussmarsch und der Spaichinger Festnahme durch einen geifernden Nazi. Nur dem Chefredakteur der Rothenburger Lokalzeitung „Fränkischer Anzeiger“ Dieter Balb beantwortet er seine gezielte Frage, ob er in Rothenburg schon einmal vor vier Jahrzehnten ein Stück in der Stadt gewesen sei - allerdings nicht in einem so vornehmen Hotel wie hier - und dass man im Wald der Stadt gegenüber übernachtet habe: kein Wort mehr von einer couragierten Bürgerin und von einen Unterschlupf in einem kleinen Häuschen. Im April 2002 bei der Buchpremiere von „Niemands Tochter“ durch Gunter Haug meldet sich der Lehrer und Dokumentarist von Nazi-Verbrechen in Oradur und Brettheim, der Träger des Würzburger Friedenspeises Thilo Pohle, am 6. März 1981 Willy Brandt mit François Mitterrand im Alten Stadtgraben beim Betrachten des Krauss-Häuschens gesehen zu haben – wahrscheinlich waren hier auch noch Jean Munier und Patrice Pelat dabei, die Pohle aber nicht kannte. Da standen sie fünfzig Meter Luftlinie vom Häuschen von „Niemands Tochter“ entfernt. Nach neuesten Erkenntnissen über die Vichy-Funktionen Mitterrands und Muniers ist nicht auszuschliessen, dass sie auch vor dem Häuschen Alter Keller 17 standen oder langsam vorbeiliefen ohne dies Willy Brandt zu signalisieren. Einmal ist nämlich heute davon auszugehen, dass mindestens Mitterrand und Munier diese Adresse noch in ihren nach wie vor vertraulich klassierten Unterlagen aus der Vichy-Zeit besassen. Zum zweiten deutet ein Plan in Mirows Reiseunterlagen darauf hin, den Gunter Haug im Juli 2002 im Willy-Brandt-Archiv in Bonn auf einem Prospekt des Hotels „Goldener Hirsch“ entdeckt hat und auf den jemand die beiden Worte „vieux“ für „alter“ und „cave“ für „Keller“ übersetzt hatte: da Brandt, Seebacher und Mirow beide Sprachen beherrschten, dürfte es für oder von Mitterrand, Munier und/oder Pelat gewesen sein. 2004 schreibt Brigitte Seebacher in ihrer grossartigen Biographie "Willy Brandt", dass Mitterrand am Morgen nach der Pressekonferenz mit Willy Brandt in die Stadt auf die Suche nach dem Häuschen der Frau gegangen sei, es angeblich aber nicht gefunden habe.

Anschliessend ging es mit den Autos über Villingen nach Spaichingen. Hier habe Mitterrand den ihn damals festnehmenden geifernden Nazi wieder gesehen und der Presse Bescheid gesagt sowie zusätzlich zur Gefangenname die beiden dort anwesenden Zwillingstöchter des Gefängnisaufsehers entdeckt, die für ihn und seinen Compagnon Leclerc einen Osterkuchen gebacken hätten, ihn über französische Grammatik fragten und einige französische Bücher zum Lesen gebracht hatten. Zahlreiche deutsche Zeitungen berichteten darüber.


Absolute Ruhe im französischen Blätterwald. In den französischen Zeitungen stand im März 1981, mit Ausnahme einer kleinen allgemeinen Notiz in der Parteizeitung „L’Unité“ und einer kleinen Ankündigung in der "Le Monde" über diese Reise mit Willy Brandt quer durch Deutschland nichts. Brandt  staunte nicht schlecht über diese absolute Nichtbeachtung dieser Reise in Frankreich. Auch anschliessend mied François Mitterrand das Wort Rothenburg ob der Tauber in der Öffentlichkeit und in Publikationen, sprach auch über diese couragierte Frau nicht mehr, die für ihre Hilfsbereitschaft ihr Leben riskiert und ausser ihm vielleicht auch die 1981 extra nach Rothenburg ob der Tauber gekommenen Jean Moulin und Pierre Pelat 1942 beherbergt hatte.

Was war geschehen? Die vertuschte Vergangenheit drohte Mitterrand einzuholen! Seine Vichy-Beteiligung durfte bei den "Presidentielles 1981“ – den Wahlen des Staatspräsidenten durch die französische Bevölkerung - keinesfalls Diskussionsstoff werden! Das heisst, die Jahre 1942/43 mussten im Dunkel gehalten werden, um in Frankreich wählbar zu sein. auch die im Sommer 1980 auf Anfang März 1981 mit Willy Brandt durch halb Deutschland führende Reise könnte Licht darauf werfen. So kommt eine typisch Mitteranäische Lösung: er macht das eine - und das andere auch!
                               
Keine Experimente mit der stillen Kraft. Mitterrand trat in der Wahlkampfwerbung als „Die stille Kraft auf!“ In seinem 1977 erschienenen 620 Seiten starken Buch „Politique“ hatte er von einer „force tranquille“ geschrieben. Der mit der Ausarbeitung der grossen Mitterrand-Kampagne beauftragte französische Starwerber Séguela hatte daraus den Slogan „Francois Mitterrand  - Die stille Kraft“ gemacht und dem Beginn der Kampagne relativ spät auf Mitte März 1981 angesetzt. Und da sollte nun ein paar Tage vorher eine grosse Berichterstattung über eine Reise Mitterrands nach Deutschland erfolgen ? Das kö nne ein möglicher Kampagnenkiller werden, denn wenn auch nur ein grosses Blatt auf die Vichy-Kollaboration und Deutschenfreundlichkeit hinweise, die ja dadurch bestätigt werde, würde man viele Wähler verlieren - die Sympathiewerte für die "Bochs" seien zwar so gut wie noch nie, doch noch immer viel zu schwach um sich damit Stimmen zu holen. Francois Mitterand hatte ausser dem Redakteur der parteieigenen Zeitung "L'Unité“ einige wohlgesonnene Journalisten eingeladen aber darüber orientiert, dass es sich um eine rein private Reise incognito handle und dass er, Mitterrand, es begrüssen würde, wenn man das respektieren könnte. Was man auch tat. So gewann er mir der „Stillen Kraft“ und wurde nicht zur „zu“ stillen Kraft.  
                         
Mitterrands Vichy-Verstrickungen erst 1995 offengelegt. Erst 1995 wird deutlich, was Mitterrand 1981 vor einer zu grossen Demonstration der Sympathiekundgebung mit deutschen Freunden abhielt und was ihn ein halbes Jahrhundert plagte. Dem wahrscheinlich angesehensten französischen Journalisten Pierre Péan war es vorbehalten, in seiner Biographie „Der junge Mitterrand“ die Verstrickungen des mittlerweile todkranken Präsidenten zu enthüllen. Ein Aufschrei ging durchs Land: da hatte diese Sphynx doch nicht nur mehr als eineinhalb Jahre an verantwortlicher Stelle im Vichy-Regime mitgearbeitet. Enttäuscht wendet sich sein kluger Kopf, der Pied Noir und jüdische persönliche Berater Jaques Attali von ihm ab, hatte er doch mit ihm immer wieder über Vichy gesprochen und er den Unwissenden gemimt. Dabei war er mit wichtigen, auch an der Judenverfolgung Beteiligten noch immer vernetzt. Und das kam so:

Nach einem erneuten Fluchtversuch im November 1941 wird er nochmals geschnappt und soll nun nach Polen verbracht werden; doch gelingt sein dritter mit besten selbstgefertigten Papieren und in die Kleidung eingenähten Reichsmark gewagter Versuch bei Metz. Von hier aus verzieht er sich aus dem direkten Überwachungsbereich des von Nazi-Barbaren besetzten Frankreich über die Demarkationslinie in die südliche von der Pétain-Regierung kontrollierte und unbesetzte, mit den Nazis aber zusammenarbeitende Landeshälfte nach Vichy. Er hat Bekannte und Verwandte, die in der Vichy-Regierung dienen. Und auch er dient in einem Regime, das kein weiteres Blutvergiessen gegen eine mit modernsten Waffen und einem Teil seines Landes mit einem Blitzkrieg besetz. Und er selbst wird von Maréchal Pétain persönlich mit dem „Francisme“, dem höchsten Orden für seinen Einsatz für die französischen Kriegsgefangenen ausgezeichnet. Dass Pétain den sozialistischen ehemaligen Regierungschef den Nazis ausliefert, kann er ebenso wenig verhindern wie die Judenzusammentreibung und ihre Deportation in die Konzentrationslager. Das einige, was er tun kann, ist innerhalb der vereinbarten Strukturen das Leben der Kriegsgefangenen erleichtern. Sein Freund Jean Munier ist einen Schritt weitergegangen und führt eine Widerstandsgruppe an, die sich la Chaine, die Kette nennt. Er wohnt in einem Haus, dessen Besitzer Waffen und Motorräder einsammelt, die amerikanische Flugzeuge mit Fallschirmen abwerfen. Und er merkt, dass Nazi-Deutschland immer weniger in der Lage ist, die Ressourcen für den Vielfrontenkrieg zu beschaffen. Anfang 1943 geht die Schlacht um Stalingrad verloren, in Nordafrika sieht es nicht viel besser aus. Der Widerstand, ja der Kampf gegen die einst so überlegenen Unterdrücker, hat wieder eine reelle Chance. Er verabschiedet sich aus Vichy, nimmt mit General de Gaulle Kontakt auf, der ihn missbilligend in Algier trifft, und bemüht sich um die Integration der Resistance-Kriegsgefangenen und heiratet Danielle, eine Resistance-Kämpferin der ersten Stunde. Im August 1944 bei der Befreiung von Paris durch die amerikanisch-englisch-kanadischen Streitkräfte sowie De Gaulle und die Renaissancekämpfer ist er Generalsekretär der Kriegsgefangenen mit Sitz im Regierungsrat, den General De Gaulle präsidiert. Dazu schreibt er für die im Untergrund entwickelte Zeitung der Kriegsgefangenen und Deportierten „L’Homme Libre“ („Der freie Mensch“). Er erlebt die Racheakte an den deutschen Besetzern und an mit ihnen zusammenarbeitenden Landsmännern sowie Lynchjustiz an in sie verliebte Frauen und ist selbst Befragungen nach seinen Aufenthalten nach der Gefangenschaft ausgesetzt und verschweigt seine Tätigkeit unter Pétain in Vichy. An den verhassten obersten Vichy-Verantwortlichen werden drakonische Strafen vollzogen bis hin zum Todesurteil. 1947 ist er mit erst 29 Jahren der jüngste Minister in Charles De Gaulles Übergangsregierung – dies allerdings nur zwei Wochen lang, weil ihn der grosse General nicht mag.  Doch das hindert den hochtalentierten Mitterrand nicht, von Kabinettchefs immer wieder mit anspruchsvollen Ministerämtern betraut zu werden: 14 werden es insgesamt sein, darunter so brutale wie der des Innenministers im Algerienkrieg. Als er jedoch zuerst gegen de Gaulle, dann gegen Georges Pompidou und Giscard d’Estaing um das mächtige Amt des Staatspräsidenten antritt, scheitert er immer wieder. Längst ist aus dem mit allen rechten Insignien versehenen Mitterrand im Mitte-Links-Spektrum angelangt, aber dieses ist zu zersplittert und lehnt den Einbezug der Kommunisten ab. Erst als sich Mitterrand durchsetzt, die Kommunisten aus taktischen Gründen mit ins Boot zu nehmen, gelingt ihm 1981 der Durchbruch. Er hofft, einmal an der Macht, den Einfluss der Klassenkämpfer an der Realität zu messen und sie in Verantwortung zu zwingen: mit dem gewünschten Resultat, dass sie schon bei den zweiten National-Regierungswahlen die Hälfte ihrer ursprünglichen Wähler verloren haben. Im Lager der Sozialisten angekommen, pflegt er – der wohl altgriechisch und lateinisch spricht, aber weder Englisch noch Deutsch – den Kontakt auf internationaler Ebene. Längst ist offiziell die von den europäischen Pionieren Adenauer, Schuhmann und De Gaulle etablierte deutsch-französische Freundschaft in zahlreichen Städtepartnerschaften verankert: warum also nicht bei den Präsidentschaftswahlen auch diese Karte spielen, sagen sich die im Sommer 1980 einige Urlaubstage zusammen mit ihren Partnerinnen in der Normandie verbringenden François Mitterrand und Willy Brandt, ehemaliger Bundeskanzler, Friedensnobelpreisträger und Vorsitzender der Sozialistischen Internationale. Vorausgegengen war ein gemeinsamer Ausflug nach Pau in den Pyrenäen, wo Brandt, der vor Hitler nach Skandinavien ins  Exil gegangen war, und die Nazis von dort aus bekämpfte, bis er als Norwegischer Soldat 1945 nach Berlin gekommen war, auf das Schicksal der vor den Nazis ins Vichy-Frankreich geflüchteten Sozialdemokraten hinwies.
Ein halbes Jahrhundert lang wird er abstreiten, dort aktiv tätig gewesen zu sein: die nach dem Sieg der Allierten mit diesen im Sommer 1944 in Paris einmarschierenden und die Hauptstadt befreienden Resistancekämpfer und Angehörigen der von General Charles de Gaulle geführten Exilregierung hatte keine Sympathien für die Kollaborateure und Defaitisten: nicht nur den deutschen Soldaten galt ihre Rache bis hin zur Lynchjustiz, sondern allen, die dem Feind zugetan waren, und seien es verliebte Mädchen gewesen, die man kahl schor und als Huren brandmarkte. Die Vichy-Verantwortlichen wurden verurteilt, wobei man bis zur Todesstrafe ging. Hatte man dort nicht durch die Vichy-Polizei den ehemaligen Sozialistischen Regierungschef Leon Blum auf Anweisung der Nazis festgenommen und über die Demarkationslinie in die Hände der Gestapo gegeben, so dass er bald einmal im KZ landete und dort sein Leben verlor. Hatte man nicht die Wünsche bzw. Auflagen der Hitlerbarbaren aufgenommen und die französischen Juden zusammengetrieben und in Viehwagons 14‘000 Kinder, Frauen und Männer in die KZ-Gaskammern geschickt. Im November 1943 jedenfalls ist Mitterrand in Paris in der Resistance aktiv, fliegt zu de Gaulle nach Algier und heiratet eine Resistancekämpferin der ersten Stunde, seine Danielle. Das Clearingverfahren passiert der erfahrene Dokumentenfälscher souverän. Doch schwebt über ihn zeitlebens dieses Damoklesschwert, dass seine wahre Vichy-Tätigkeit bekannt würde

Was macht Mitterrand 1941 in der Nazi-Höhle des Löwen Rothenburg ob der Tauber?
Unglaubwüdig als Unterschlupfort wäre wahrscheinlich 1981 auch Rothenburg gewesen, das nordbayerischen Städtchen, das von den Nazis als "das deutscheste aller Städte" bezeichnet worden war. Für die Nationalsozialisten galt dies nicht nur in Bezug auf das Stadtbild, sondern auch ideologisch und parteipolitisch. Bei der Reichspräsidentenwahl vom 13. März 1932  mit einer Wahlbeteiligung  von 96,6% (!) hatte  Adolf Hitler 87.5% der Stimmen erhalten, sodass Rothenburg  "der beste nationalsozialistische Wahlkreis ganz Deutschlands" war.  Alle Parteigrössen von Hitler über Goebbels und Göring kamen hierher bis hin zu Sonderzugreisen der Nazi-Kuppelaktion "Kraft durch Freude". Und in diesem von den Nazis durchseuchten Städtchen soll er 1941 gewesen und nicht festgenommen worden sein? Hier soll es eine Frau gewagt haben, Menschlichkeit und Barmherzigkeit zu zeigen und  Leute wie Flüchtende und Deserteuren Unterschlupf zu bieten? Unmöglich - hätte es 1981 noch geheissen, oder "Mitterrand, Du Vichy- und Nazi-Collaborateur". Dass jemand es gewagt hatte, in dieser Zeit den Nazis zu trotzen, obwohl die beiden ältesten Kinder Wilhelm „Willy“ (Jg. 1928; Leiter der Hitler-Jugend des Landkreises) und Gretel (Jg. 1932) sie immer wieder anflehten, aufzuhören, Leute zu verstecken („Mutter, sie  werden Dich an die Wand stellen, wenn sie Dich dabei erwischen.“) sowie ihr buckliger und von den Euthanasieexperten als kritisch eingestufter Schwager Fritz Flohr sie eine der Familie gegenüber verantwortungslose Schlampe nannte, liess sie nicht davon ab und sagte, eine schwangere Frau werden sie wohl nicht wagen, zu erschiessen. Diese Situationen wurden erst im Jahre 2002 bekannt, als ihre Biographie erschien (Gunter Haug: "Niemands Tochter"), geschrieben von ihrem Enkel nach Berichten ihrer ältesten, heute 85-jährigen Tochter Gretel. 

Der wandelbare Pragmatiker der Macht.  Welch Meister des Macchiavellismus und der Camouflage François Mitterrand wirklich ist, zeigt sich, als De Gaulle seine erste provisorische Regierung vorstellt: da hat er es doch schon als 29-Jähriger zum jüngsten Kabinettmitglied gebracht und ist Minister für Kriegsgefangene. Nach Auseinandersetzungen mit General Charles de Gaulle scheidet er 1946 auch schon wieder aus und sucht sich eine zweite Heimat im Lager der Linken. So ist er gewissermassen ein universell einsetzbarer Administrator und Politiker für viele Positionen: im Verlauf einer opportunistisch orientierten Karriere dient er in dreizehn weiteren Ministerämtern. Und gegen Charles de Gaulle tritt er sogar bei den Wahlen zum Staatspräsidenten an, wobei er gegen ihn ebenso knapp verliert wie gegen George Pompidou und Giscard d’Estaing. So ist  der  einst rechts politisierende Mitterrand 1980 schon lange im Lager der Linken angelangt und bietet sogar den Kommunisten Regierungsbeteiligung an, wenn sie bei den Wahlen zum Staatspräsidenten für ihn stimmen: ein Tabubruch für viele alte Sozialisten und Sozialdemokraten. Gleichzeitig repräsentiert er schon seit Jahren Frankreichs Linke im Gremium der Sozialistischen Internationale, deren Vorsitzender Willy Brandt ist.

2002, 2003, 2004: Drei erste öffentliche Hinweise auf eine couragierte Widerstandskämpferin. Die tapfere Frau in Rothenburg war schon seit 1965 tot, aber ihre Tochter Gretel lebt noch heute. Sie hat diesen Franzosen mit den markanten Augenbauen 1941 zusammen mit zwei anderen in der Wohnstube Suppe essen gesehen. Als ihr Gunter 2003 einige Fotos aus dieser Zeit – darunter eines mit dem 23-jährigen François Mitterrand – zur Identifikation vorlegte, erkennt sie ihn eindeutig wieder. Hätte sie ihren als Journalist und Buchautor tätigen Sohn nicht immer wieder diese und weitere andere Ereignisse so lange erzählt, bis er sie 2002 als Buch zusammenfasste (Gunter Haug: Niemands Tochter – Die Geschichte eines vergessenen Lebens), dann wüsste man nichts von dieser Widerstandskämpferin auf ihre sanfte Art.Im Jahre 2003 ehrte sie anlässlich des Jubiläums ihres 100. Geburtsjahres posthum die damalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt in einer beeindruckenden Ansprache im Rothenburger Rathaus und mit der Anbringung einer Gedenkplakette am kleinen Häuschen im Alten Keller 17.  Indem sie die Bundesministerin für Familie, Jugend und Soziales Renate Schmidt 2003 zum Jubiläum ihres Geburtstages ehrt, wird sie auch von staatlich offizieller Stelle erstmals wahrgenommen. Und hätte Brigitte Seebacher in ihrer eindrücklichen Willy-Brandt-Biographie 2004 die couragierte Frau und die Suche nach einem Häuschen nicht erwähnt, dann wüsste man heute in Deutschland nichts über Mitterrands Aussage.

Erster Hinweis in einer französischen Publikation im Jahre  2016. Niemand wüsste etwas mit dem Satz anzufangen, den François Mitterrand am 6.3.1981 auf die Rückseite einer Postkarte mit dem Rothenburger Rathausportal geschrieben und an seine Geliebte Zweitfrau Anne Pingeot nur mit einem F. unterzeichnet nach Paris geschickt hatte: „Die Türe, die sich in die Freiheit öffnete“. Als Dokument 1148 ist es im Liebesbriefband Mitterrands „Lettres à Anne“ aufgeführt. Immerhin ein Anfang dazu, dass die französische Geschichtsschreibung wahrnimmt, dass Mitterrand zweimal in der „deutschesten aller Städte“ war, wie Rothenburg ob der Tauber von der Hitlerpropaganda genannt wurde. François Mitterrand traf hier keinen dieser Mörderbande, sondern eine Frau, die nicht wusste, wer er war und was aus ihm einmal werden würde. Maria Staudacher wusste nur, dass es ein, zwei oder drei Menschen in Not und vielfach in Todesangst waren, wenn sie an ihre Haustüre klopften, und sie ihnen, so gut sie konnte, Schutz bot. Immer wieder in diesen trostlosen Jahren. 


Erste Anerkennung und Dank aus Frankreich 2017 durch Alain Mauroy
Nachdem er sich mit allen bis jetzt vorhandenen Unterlagen beschäftigt hat, schreibt der Protokollchef François Mitterrands während beider Séptenariats Dr. Alain Mauroy, den ich während des 100-Jahres-Jubiäums im Oktober 2016 in Paris kennen lerne, am 10. Februar 2017:

« Sois sûr, mon cher Fritz, que tu n'es nullement malhonnête vis-à-vis de personne !!!
Au contraire, tu es le dépositaire d'un moment historique considérable qui te hante, à juste titre, parce qu'il est une partie très importante et lumineuse de la vie de ta famille et avant tout de ta mère, femme anonyme parmi tant d'autres dans ces temps affreux, mais d'un courage hors du commun, qui, dans un moment extrêmement dangereux de son histoire familiale et personnelle, a su prendre, en Allemagne-même, sans vraiment les mesurer, des risques inconsidérés, terribles, extraordinaires, d'un courage extrême dans un environnement de nazis inhumains, cruels, sans pitié, qui auraient pu la tuer à la seconde, sans hésitation, sur place, pour avoir hébergé chez elle à Rothenburg, même pour quelques heures, einen französische entflohene Sträfling (ou einen entlaufene Häftling, quelle est la meilleure expression ?).
Nous devons à jamais saluer ta mère, cette femme admirable de courage, pour les risques énormes qu'elle a pris en hébergeant, même pour quelques heures, un fugitif. François MITTERRAND l'avait si bien compris et en avait si pleinement conscience qu'il en avait parlé à ses amis allemands et cherchait avec eux, avec opiniâtreté, à retrouver celle qui l'avait accueilli à l'heure des plus grands péril.

Bien amicalement. ALAIN“






François Mitterrand  kompakt in den Worten von Pierre Péan:

 „Ein freier Mensch, der nichts ebenso liebte wie die Politik,
die Geschichte, die Literatur, und die Frauen – das ist Mitterrand,“

sagt der französische Journalist Pierre Péan, der mit seinen Biografien über den jungen François und den älteren Staatschef Mitterrand beachtliche neue Aspekte ans Tageslicht brachte.

„François Mitterrand verwahrte sich dagegen, in irgendeinen Rahmen gepresst zu werden, also in eine einzige Liebe, in eine einzige Freundschaft, in eine einzige Ideologie oder in eine einzige Religion; er unterhielt hingegen gleichzeitig eine einzigartige Beziehung mit Jedem oder Jeder, getreu seiner Überzeugung, niemals von sich aus eine Verbindung aufzulösen, die er selbst aufgebaut hatte. Diese schreckliche Ambivalenz als Ausdrucksform seiner Freiheit konnte auch als eine diabolische Perversion aufgefasst werden, wo sie doch nur der Reflex seiner Persönlichkeit war. Eine solche Persönlichkeit konnte nicht anders, als diejenigen zu verunsichern, die sich ihm näherten. Er hatte eine besondere Art zu verführen, im anderen den Wunsch zu erwecken, sich ihm zu nähern, und gleichzeitig auf Distanz zu gehen und dadurch Frustrationen zu erzeugen oder Liebe zu entfachen und/oder Hass. Sein Verhalten konnte ihm Nahestehende bis in den Wahnsinn treiben. François de Grossouvre und mindestens zwei seiner Ärzte (Gubler und Kalfon) illustrieren das selbst bestens.“


François Mitterrands Chimäre
"Welche Chimäre ist er doch, dieser Mensch? Welche Neuheit, was für ein Monster, welches Chaos, welch widersprüchliches Subjekt, was für eine Verschwendung? Richter über alles, Dummkopf, Regenwurm, Behüter des Wahren, Kloake der Ungewissheit und der Fehler, Glanz und Glied des Universums, das dieses Durcheinander entwirrt." Das schreibt François Mitterrand, zitierend aus Blaise Pascals "Pensées", ein Vierteljahr vor seinem Todin seinem allerletzten Brief an seine Anne Pingeot. Ihm selbst war es vergönnt, einige Durcheinander zu entwirren, aber dabei viel mehr neue Durcheinander bei anderen zu schaffen.





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Marktplatz von Rothenburg ob der Tauber. Links das gotische Alte Rathaus; direkt angebaut das Renaissance-Rathaus. 1981 trägt sich François Mitterrand mit Willy Brandt ins Goldene Buch der Stadt ein.
Bild unten: Blick auf die Stadt aus westlicher Richtung, in die Mitterrand und Leclerc am späten Abend des 11. März 1941 die Stadt wieder verlassen. In Bildmitte (dunkelbrauner Holzkasten) das Hotel "Goldener Hirsch", in dem Mitterrand und Brandt am 5./6. März 1981 übernachten.
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Bild unten: Wassily Kandinsky: Old Town II (1902) im Centre Beaubourg / Pompidou , Paris.
Kandinsky malt mit Gabriele Münther in Rothenburg  ob der Tauber.
 
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